Arbeitsbereiche

Die Arbeitsbereiche der AG „Public-Health-Ethik“ umfassen 1. Forschung, 2. Lehre und Weiterbildung, 3. Politikberatung.

1. Forschung

Im Arbeitsbereich Forschung versteht sich die AG „Public-Health-Ethik“ als Forum für Austausch, Vernetzung und Zusammenarbeit im Rahmen der nationalen und internationalen Forschungslandschaft. In regelmäßigen Arbeitstreffen – häufig mit Inputs eingeladener Expert*innen – diskutieren wir neue theoretische Ansätze, empirisch informierte Debatten und methodische Entwicklungen der Public-Health-Ethik. Dabei bringen wir unterschiedliche disziplinäre Perspektiven wie Public Health, Ethik, politische Philosophie, Medizinethik in einen strukturierten Dialog.

Zentral ist dabei ein populationsbezogenes Verständnis von Gesundheit: Gesundheit wird nicht primär als individuelles Gut, sondern als gesellschaftlich hervorgebrachtes und verteiltes Gut betrachtet. Entsprechend rücken Fragen der Rahmenbedingungen und der Lasten- und Nutzenverteilung, der Verantwortung für Gesundheit sowie Gerechtigkeit in den Vordergrund – ausgehend von den social determinants of health (etwa Bildung, Einkommen, Arbeitsbedingungen, Wohn- und Umweltbedingungen, Zugang zu Versorgung, soziale Teilhabe sowie rechtliche und politische Rahmenbedingungen).

Vor diesem Hintergrund analysiert und diskutiert die AG auch aktuelle Dynamiken von Gesundheitsungleichheit und die normativen Konflikte, die sich in Prävention, Versorgung, Gesundheitsförderung und Gesundheitspolitik ergeben. Ziel der Vernetzung ist es auch, disziplinübergreifende Kooperationen zu stärken, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern und mittelfristig drittmittelfinanzierte Forschungsvorhaben anzustoßen, die eine Public-Health-ethische Expertise auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen im Bereich Gesundheit vertiefen.

2. Lehre und Weiterbildung

Die Lehre in der Public-Health-Ethik gewinnt angesichts aktueller Krisen, normativer Konflikte bei Maßnahmen, Prävention und Versorgung sowie globaler Ungleichheiten deutlich an Bedeutung. Sie erweitert den Blick über das individuelle klinische Setting hinaus und nimmt strukturelle und populationsbezogene Dimensionen in den Fokus – etwa Fragen des populationsbezogenen gesundheitlichen Nutzens, Gesundheitsgerechtigkeit, der sozialen Determinanten von Gesundheit und der Legitimität gesundheitspolitischer Maßnahmen.

Nicht nur im deutschsprachigen Raum ist Public-Health-Ethik in der universitären Lehre bzw. Public-Health-Weiterbildung oft noch nicht umfassend etabliert: Im Medizinstudium etwa bleibt die populationsbezogene Perspektive häufig randständig, und auch in gesundheitswissenschaftlichen BA- und MA-Studiengängen können systematisch ausgearbeitete Lehrkonzepte und Curricula zu ethischen Aspekten von Public Health fehlen. 

Die AG „Public-Health-Ethik“ versteht sich als Plattform für Austausch und Vernetzung: Wir diskutieren didaktische Ansätze, Lehrformate und zentrale Kontroversen, bündeln Erfahrungen aus unterschiedlichen Institutionen, Disziplinen und Ländern und identifizieren weiteren Entwicklungsbedarf. Leitend ist das Verständnis guter Lehre als kritischer, pluraler Reflexionsraum, in dem normative Grundlagen, empirisches Wissen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen miteinander ins Gespräch gebracht werden.

3. Politikberatung

Wie oben genannt, etablierte sich die Gruppe in dieser Form auch vor dem Hintergrund der Nachfrage nach ethischer Beratung aus Praxis und Politik in Zeiten der Pandemie.  Die Arbeitsgruppe engagiert sich weiterhin in der Politikberatung (im Sinne von “policy”, z.B. bei politischen Anhörungen, der Leitlinienentwicklung oder im Rahmen von Gesetzgebungsverfahren) und ist bei Anliegen aus Politik und Praxis ansprechbar